Was ist besser als Zukunft zu denken?

1

Sich Arbeit mutig und unabhängig zu definieren.
Dadurch für sich selbst und die Gesellschaft Lebensqualität,
Soziale Sicherheit und Zusammenhalt schaffen.

2

Kreativ und unkonventionell an Projekte herangehen,
visionären Gedanken Raum geben
und sich von Skeptiker*innen nicht entmutigen lassen.

3

„Think out of the Box“
Vorhandenes neu kombinieren,
einfach mal ausprobieren
und kategorische Ablehnung von Unbekanntem vermeiden.

Vielleicht war es die Herausforderung, die ich gesucht hab‘. Außerdem hab ich immer ein kleines Helferinnensyndrom g’habt. Der Hubert war schon immer Teil von meinem Leben.

Ich hab‘ die meisten Sommer auf seiner Alm verbracht. Dass er so a Eigenbrödler ist, hat mich damals als Kind nie gestört. Oder sag ma so, ich habs auch ned so wahrg’nommen. Als ich dann nach meinem Krankenpflegediplom zrückommen bin und keinen Job in der Gegend gfunden hab, ist alles irgendwie zusammen kommen.

Der Hubert hat die letzten Jahre sichtlich abbaut. Ist ja auch kein Wunder mit bald 93 Jahren auf den Schultern. Eigentlich eh ein Wahnsinn, dass er die letzten Sommer fast ausschließlich allein auf die 25 Schafe g‘schaut hat. Wie ich dann im Frühjahr beim Almauftrieb auf die Alm rauf bin, war sein gesundheitlicher Zustand am Tiefpunkt. Er war richtig schlecht beinand. Auch die Einsamkeit, die er auf der Alm früher so gern ghabt hat, und des war er ja auch seit über 60 Jahren gewohnt, hat ihm sichtlich verunsichert. Ich hab fast das Gefühl, dass er Angst hatte, allein zu sein.

Ich hab Zeit g‘habt, kan Job, kane familiären Verpflichtungen, und so hab ich mich dann entschlossen, bei erm oben zu bleiben. Ich hab‘ des von Anfang an geahnt, dass es sehr wahrscheinlich sein letzter Sommer auf der Alm wird.

In meiner Ausbildung hab‘ ich mich immer ein bissl davor gedrückt, das Thema Palliativpflege genauer zu bearbeiten. Ich weiß auch ned, warum genau, aber es war immer ein sehr emotionales, vor allem negativ behaftetes Thema für mich. Heute denke ich da anders drüber.

Es war tatsächlich der letzte Sommer vom Hubert. Im Frühjahr hat er noch g‘sagt: „Ich bleib bis zum Schluss do heroben Renate! An olten Bam vapflonzt ma ned.“

So hats dann auch sein sollen. Er ist dann am 24.August friedlich in der Stube auf seiner Alm eingeschlafen und nicht mehr munter geworden.

Mir ist das erst im Nachhinein bewusst geworden, dass ich dem Hubert in den letzten Wochen, oft allein durch meine Anwesenheit Kraft geben hab. Er hat die Sicherheit g‘habt, gehen zu können. Auch wenn wir uns oft nix zu sagen g‘habt ham, weil gredet hat er nie viel, es war doch jemand da. Wir Menschen kommen nicht allein und ich glaube wir haben es ned verdient, allein zu sterben.

Das war der Startschuss für mein Projekt.“

Renate gründete 2022 eine Plattform für Altenpflege und Palliativdienste für ländlich periphere Regionen. Sie leistet damit einen der wichtigsten Dienste an der Gesellschaft, sorgt für räumliche Gerechtigkeit und schafft Arbeitsplätze.

„Das alles und noch viel mehr, würde ich machen, wenn ich Momo Kallner wär.“

Die Geschichte von Momo Kallner, geborener Lesachtaler, einem Kunststudenten, Schauspieler und Heimkehrer, der im Lesachtal aufwuchs und durch seine im Theaterverein tätige Mutter, die Liebe zur Schauspielerei fand, zeigt, wie Kreativität und Weltoffenheit Nährboden für regionale Kooperationen werden kann. Momo Kallner studierte Kunstwissenschaft und Schauspiel an der Folkwang-Hochschule in Essen, Deutschland. Während der Studienzeit verbrachte er wenig Zeit in seiner Heimat, jedoch reiste er sehr viel.

„Ich hatte das Privileg durch meine oft Monate dauernden Expeditionen sehr viel von der Welt zu sehen. Durch die Fülle der kulturellen und landschaftlichen Eindrücke, welche ich förmlich in mich inhalierte, lernte ich die Schönheit meiner Heimat immer mehr zu schätzen.“

Schlussendlich war es die Sehnsucht nach dem Lesachtal, welche Momo Kallner Anfang 30 wieder zurück in seine Heimat brachte. Einen richtigen Plan, wie er hier leben wollte, hatte er jedoch nicht.

Ein bisschen verrückt war er ja schon immer. Aber, dass er dieses Projekt dann echt auch umsetzte, hätte ich ihm nicht zugetraut.“,

so Momos Mutter zum Projekt MOMOS ISLAND des Querdenkers. Grundstein für die Idee war die Bedeutung seines Namens. Momo bedeutet im japanischen „kleine Pfirsichblüte“. Da Pfirsiche außerdem sein Lieblingsobst sind, machte er es sich zur Aufgabe, im Lesachtal eine Pfirsichplantage zu pflanzen und hier wieder sesshaft zu werden. Momo Kallner kaufte 8,5 Hektar Grund auf der Sonnenseite des Lesachtales, um dort seiner Kreativität als zukünftiger Pfirsichbauer Raum zu geben.

In den darauffolgenden zwei Jahren verschrieb sich Momo Kallner voll und ganz seiner Aufgabe als Landwirt und errichtete nebst eines Pfirsichbaumgewächshauses auch einen riesigen Garten und stellte ein Konzept auf, welches ihm den Weg in die Autarkie ebnen sollte. Durch die intensive Auseinandersetzung mit seiner Herkunft, den Bräuchen und Traditionen des Lesachtales, erkannte er, wie wichtig es ist, diese zu bewahren. Mit seiner Erfahrung als Schauspieler und dank seiner weltoffenen Denkweise, gründete er ein Zentrum zur Förderung von Kunst und Kultur.

MOMOS ISLAND wurde zu einem Ort, an dem mittlerweile drei Familien gemeinsam wohnen, leben und arbeiten. Die Hofgemeinschaft hat es geschafft sich ein autarkes System aufzubauen. Es treffen sich einheimische Kunsthandwerker*innen, Kunstschaffende und Kulturinteressierte, um sich auszutauschen und Ausstellungen im renovierten Stadl zu organisieren. Neben weiteren Ausstellungen und Seminaren bieten Momo Kallner und seine Mutter Workshops für Dialekttheater und Schauspiel an.

MOMOS ISALND kann als Musterbeispiel für die Verknüpfung von Tradition und neuen Lebensmodellen, welche bisher keinen Platz im ländlichen Raum fanden gesehen werden.

Zukunftsklang

Beim Zukunftsfest der TU Wien in Obergail konnten die Besucher*innen Klänge und Geräusche der Region zu einem Musikstück kombinieren.


Symbolisch nehmen regionalen Sounds den Platz für bereits Vorhandenes ein.

Das komponierte Musikstück, als Kombination von Vorhandenem für das Neue.

Es wurde Bewusstsein dafür geschaffen, dass jede*r Einzelne Vorhandenes nutzen und neu verbinden kann und somit etwas Neues entsteht.
Die bei Zukunftsfest erzeugten Klänge wurden in einem Audioclip zusammengefasst und sind hier zum Nachhören verfügbar.

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