über morgen lesachtal

Verein
zur Förderung
einer gemeinsamen Auseinandersetzung
mit der Zukunft des Lesachtals


Samstagmorgen. Oder besser gesagt Mittag.

Michi wacht langsam, aber sicher auf und versucht seine Gedanken zu sammeln. Wo war er gestern doch gleich gewesen? Auf jeden Fall muss Alkohol im Spiel gewesen sein, so wie sein Schädel brummt. Er greift nach seinem Handy. 121 Nachrichten, 18 Freundschaftsanfragen und ein Kalendereintrag ploppen zu seinem Verwundern auf. Da kommt es ihm wieder, gestern war ja wie jeden Freitag Kapellenprobe und anschließend sind sie alle gemeinsam hoch zur Hepi Lodge. Ein paar Studierende aus Wien hatten sie gelockt mit Kesselgulasch und einer Eisbar.

Wer hätte denn da Nein sagen können?

Michi fasst in die Hosentasche seiner Kapellenlederhose, die er immer noch an hat. Ein paar zusammengefaltete Zettel zieht er hervor. Er überfliegt die Überschriften und liest „Beitrittserklärung“ und „Vereinsstatuen“.

Ist er etwa schon wieder einem Verein beigetreten?

Dabei ist er ja bereits bei der Trachtenkapelle und bei der Jugend. Und in der Freiwilligen Feuerwehr ist er quasi auch schon zur Hälfte drin. Er weiß ja jetzt schon nicht, wo ihm der Kopf steht: Wie soll da noch Zeit für einen weiteren Verein bleiben? Also nicht, dass man das falsch versteht, das ganze Vereinsleben bereitet ihm wirklich viel Freude. Schließlich hat er da ja auch all seine Freund*innen. Aber eine Ausbildung macht er ja auch noch und die Wochenenden sind immer verplant mit Proben, Ausflügen und Festen.

Michi versucht aus den Benachrichtigungen seines Handys schlauer zu werden. Ohnehin sind fast alle Nachrichten aus der Gruppe „über.morgen.Lesachtal“ die laut ihrer Beschreibung sich mit „einer gemeinsamen Förderung und Auseinandersetzung mit der Zukunft des Lesachtals“ beschäftigt. Da fällt ihm wieder ein, dass er gestern beim Fest mit einigen Studierenden diskutiert hatte, was es bringen würde, einen solchen Verein ins Leben zu rufen. Anfangs war er noch sehr skeptisch gewesen und hatte die Idee als nicht umsetzbar abgetan, aber einige gute Argumente hatten ihn nachdenklich gestimmt.

Schließlich gibt es zwar schon zig Verbände in den einzelnen Gemeinden, wo die*der durchschnittliche Durchschnittslesachtaler*in in mindestens zwei aktiv sind, aber ein Verein für das gesamte Lesachtal, das gibt es irgendwie noch nicht so richtig. Politische und wirtschaftliche Zusammenschlüsse schon, aber damit hat Michi ja auch nicht so viel am Hut. Ob er jetzt eine Slow-Food oder eine Fast-Food Travel Region lebt, ist ihm eigentlich egal. Vielleicht wär ihm zweiteres sogar lieber, der nächste Mci ist schließlich in Lienz. Und neulich beim Talschaftsfest haben die vier Bürgermeister ja auch gemeint, dass es das Talschaftsparlament jetzt gibt. Die Idee fand er sowieso ganz cool: dieser Ansatz, mehr gemeinsam zu machen. Aber da diskutieren am Ende wieder die Gemeinderät*innen miteinander und er kann da nur bedingt mitreden.

Deswegen wäre es schon fein, als Ergänzung einen Verein zu haben, in dem die Zivilbevölkerung über die Zukunft des Tals spricht. Da könnte man mal losgelöst von politischen Zwängen und rationalen Denkweisen versuchen, Ideen zu entwickeln findet er. Einen Thinktank haben sie das gestern genannt. Einfach mal ein bisschen utopischer denken und mit Optimismus in die Zukunft des Lesachtals blicken. Und das Ganze vor allem gemeinsam.

Wie das dann umgesetzt werden kann, ist erst in einem zweiten Schritt die Frage. Natürlich soll da am Ende nicht nur heiße Luft rauskommen, die nie in irgendeiner Art und Weise umgesetzt werden kann, aber es muss eben mal einen Denkanstoß geben. Michi findet, wenn sich mit der Thematik viele Leute beschäftigen, zusammen über die Zukunft diskutieren und eine Haltung einnehmen, kann das definitiv was bewirken. Man sieht ja, dass Vereine im Tal einen hohen Stellenwert und einiges an Einfluss haben. Die wichtigen Entscheidungsträger*innen sind meist selbst in einem oder mehreren Verbänden aktiv, stellt Michi fest wenn er so darüber nachdenkt. Dadurch wird das Ganze auch schnell auf andere Ebenen getragen. Und dafür, dass es den Verein erst seit gestern gibt, kann sich die Mitgliedszahl bereits sehen lassen.

Neben den Studierenden ist fast die Hälfte der Liesinger Jugend beigetreten. Die anderen Gemeinden sind zwar noch nicht so stark vertreten, aber nicht mal 24 Stunden nach der Gründung kann man das auch noch nicht erwarten. Prinzipiell ist das Bewusstsein für ehrenamtliches Engagement sehr hoch im Tal, deshalb wird es bestimmt noch einiges an Zulauf geben. Außerdem sind die meisten schon in gewisser Weise stolz auf ihr Tal und darauf, woher sie kommen. Wenn es also darum geht, die Zukunft der Heimat mitzubestimmen, werden es sich sicher viele Leute nicht nehmen lassen, da mitzuwirken.

Michi fallen sofort mindestens 15 weitere Freund*innen ein, die gestern zwar nicht beim Zukunftsfest waren und noch nicht Mitglied sind, aber mit Sicherheit auch dabei sein wollen. Er findet es echt cool, dass die Studierenden nicht einfach wieder nach Wien fahren und ihre Visionen spätestens nächste Woche vergessen sind. Durch den Verein lassen sie etwas zurück, dass dem Lesachtal die Chance gibt, die eigene Zukunft weiterzudenken. Es liegt an der Bevölkerung selbst, Veränderung anzustoßen und Initiativen zu setzen. Michi dreht sich in seinem Bett nochmal um und träumt von seiner eigenen Vision fürs Tal.

Entwurf der Vereinsstatuten

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