Obergail, Wien und dann? Lesachtal, what else!

Nespresso hat George Clooney, Co-Working am Land hat Franziska Windbichler. Franzi ist erfolgreiche Jungunternehmerin im Lesachtal und zeigt, dass Studium nicht gleich Wegzug bedeutet. Die Vision ihrer Eltern kennt man in ganz Österreich. Ihre jedoch in ganz Europa. Warum? Die Innovation am Land, eine Kärntener Frau und ihre Erfolgsstory.

Ich sitze mit Pepi und Helene, in der Küche der bekannten obergailer Hoteladresse HEPI-Lodge. Wir quatschen über unsere gemeinsame Zeit im Lesachtal, als ihre Tochter Franzi den Raum betritt. Wir begrüßen uns herzlich. „Schon lange nicht mehr gesehen Philippe. Bin froh, dass du es mal wieder schaffst.“ Ich muss schmunzeln. Es ist ja nicht so, als wenn ich fast jedes Jahr in Obergail wäre. Während meinen letzten Besuchen bei den Hepi-Pepis, war sie völlig in ihr Studium in Wien vertieft. Raumplanung hat sie studiert.

Ob mein Besuch, mit 18 Raumplaner*innen und einem Journalisten, vor 25 Jahren der Auslöser war, weiß ich nicht. Ich erinnere mich an die Zeit, als Franzi 6 Monate alt war und ich sie in den Schlaf gewiegt habe. Die Teekanne pfeift, der alte Ofen sorgt für eine angenehme Hitze und die Stimmung ist gelassen. Alles beim Alten, denke ich mir. Ich bin glücklich, wieder hier zu sein.

Als ich Franzi auf ihre Zeit in Wien anspreche, ist sie fast nicht mehr zu bremsen. Das breite Lachen hat sie von ihrer Mutter, die blonde Mähne von ihrem Vater. Wir unterhalten uns lange. Mit einem Lächeln erzählt sie mir, was sie in den letzten Jahren alles erreicht hat, nämlich das Aufbauen eines eigenen CO-Working-Konzeptes, unabhängig zu sein und sich im Lesachtal verwirklicht zu haben.

Im Gespräch erwähnt sie, dass sie der ländlichen Raum schon immer interessiert hat und diesen deshalb als ihren Schwerpunkt an der Technischen Uni in Wien gewählt hat. In mehreren Lehrveranstaltungen und Exkursionen hat sie sich daher mit Problemen und Herausforderungen des Landes auseinandergesetzt. Schon in ihrer Bachelorarbeit, hat sie einen klaren Fokus auf Probleme am Land gesetzt. An der Uni entwickelte sie ein Vernetzungs-Guide, um Menschen aus Stadt und Land zusammen zu bringen.

Das, in ihren Studienjahren erlangte Wissen, wollte sie unbedingt nach Obergail und ins Lesachtal bringen. Motiviert von den vielen Eindrücken aus der Großstadt, ist sie nach ihrem Studium mit einem, in ihrer Masterarbeit entwickeltem, Konzept ins Lesachtal gekommen.

Franzi hatte schon immer den Wunsch, dass Besucher*innen das Tal bereichert und inspiriert verlassen. Aus diesem Gedanken heraus, entstand ihre Idee einer Plattform, wo Leute aus aller Welt im Lesachtal zusammenfinden und der Austausch untereinander und mit den Einheimischen im Vordergrund steht. Das Konzept des Landlabors entsteht. Die Eltern waren sofort am Start. Ihre 2 ältesten Schulfreund*innen, Hannes und Maria, konnte Franzi mit ihrer energischen Art schnell überzeugen, sie in ihrem Vorhaben zu unterstützen. Gemeinsam haben sie innovative, eigens überlegte und mobile Raumkonzepte entwickelt.

Sie fand es schön, ihren Lebensraum gemeinsam mit Freund*innen zu gestalten und zu verbessern. Um das Booking und den Kontakt zwischen internationalen Gästen und Einheimischen, zu vereinfachen, hat sie eine Webseite entwickelt. So einfach das Konzept auch klingt, so erfolgreich war es. Nach den ersten zwei Jahren, wurde es von der New York Times in die „Top 10 der innovativsten Start-Ups in Europa“ gewählt.

Anfangs war ihr Weg alles andere als leicht. Sexistische Kommentare wie „Ein Mann hat das Unternehmen zu leiten.“ standen an der Tagesordnung. Eine Frau mit Unternehmer*innengeist, mit einer unglaublichen Durchsetzungskraft und kreativen Visionen und das, ohne ihre Weiblichkeit zu verstecken: Das war bis dato, ein eher unbekanntes Bild im Lesachtal. Franzi‘s Kompetenz und Durchhaltevermögen hat es ihr ermöglicht, ihren Traum umzusetzen und zu leben. Den Traum, dass das Lesachtal als Ort bekannt wird, wo Leute ihrer Kreativität freien Lauf lassen können, wo Menschen das Tal und die Ländlichkeit erleben und schätzen lernen können, wo der Austausch zwischen Gästen aus der ganzen Welt entsteht, ohne auf die Naturverbundenheit und das familiäre Gefühl verzichten zu müssen. Dieses Gefühl von Gemeinschaft und Fortschritt, welches sie nach außen in die Welt tragen will. Gelungen ist Franzi das auf jeden Fall. Und das in ihrer Heimat Obergail.

Das, im südwestlichsten Teil Kärntens gelegene, Lesachtal ist durchzogen von schönen Landschaften, herzlichen Menschen, authentischen Ideen und wenn man gutes Brot schätzt, ist this the place to be. Sogar Exot*innen trifft man hier: Raumplanungstudierende der TU Wien. Neben Tradition und Naturverbundenheit, wird Gemeinschaft hier großgeschrieben. Das Lesachtal ist eine Gemeinde, bestehend aus kleinen, von traditioneller Baukultur geprägten Orten. Luftlinie trennen die Ortschaften nur 100m. Mit dem Auto können es jedoch mehrere Kilometer sein. Trotz dieser Distanzen ist ein unglaublicher Zusammenhalt zu spüren. Das Vereinsleben, das Bewältigen von Herausforderungen, wie der schlimme Sturm 2018 oder das Zusammenkommen der vier Gemeinden im Talschaftsparlament im folgenden Jahr, haben eine Community geschaffen, die seinesgleichen suchen. Genau solche Geschichten machen das Lesachtal zu einem charmanten und einzigartigem Ort. Ein Ort, wo Menschen wie Franzi aufgewachsen sind und mit einer Einstellung andere Leute inspirieren. 

Im Vorfeld zu diesem Beitrag, habe ich mich ein wenig im Tal umgehört. Was im Gespräch mit der Franzi und den Lesachtaler*innen sehr auffällig ist: Helene und Pepi hatten einen sehr großen Einfluss auf die innovative Entwicklung des Tourismus, die aber auch die Strukturen des Lesachtals berücksichtigt. So haben sie den Grundstein für Franzis Erfolgsstory gelegt. Mit ihrer weltoffenen, freundlichen, authentischen und engagierten Art, haben sie mit der HEPI-Lodge einen Ort geschaffen, an dem jede*r willkommen ist, sich sofort wohl fühlt und das Lesachtal in seiner ganzen Pracht erleben kann. Ihre Einstellung und Ideen haben Franzi geprägt und haben ihr die richtigen Werte mit auf ihren Lebensweg gegeben.

Morgen gibt Franziska einen Input im Talschaftsparlament. Im Fokus ihres Vortrages steht die Entwicklung ihres Unternehmenskonzeptes, die Rolle ihres Studiums und die Wichtigkeit des Know-hows und der Kooperation der Lesachtaler*innen. Auch, wenn der Weg teilweise steinig war und die Leute ihre Vision von Co-Working & Co-Existing in Frage gestellt haben, sehen die  Lesachtaler*innen nun, dass Studieren und mal in der Stadt wohnen auch Vorteile mit sich bringen kann. Franzi zeigt, dass eine Kombination aus Studium und Rückkehr möglich ist. Die große Heimatverbundenheit wird sie wohl nie verlieren und auch aus diesem Grund hat sie alles gegeben, um das Tal voranzubringen. Und damit war sie sehr erfolgreich. Und das als Frau. 

Und wieder einmal verflog die Zeit für mich viel zu schnell in Obergail. Die Vorfreude auf den nächsten Besuch ist groß. Ich lege Holz in den Ofen nach, schenke uns Rotwein ein und geselle mich zu den andern. Mit großem Grinsen blättern die drei durch ein altes Fotoalbum und fangen plötzlich an, lauthals zu lachen. Auslöser war ein Foto von mir, als ich das Erste mal im Lesachtal war. In diesem besonderen Ort mit wunderbaren Menschen, wie der Franzi. Ich lehne mich über den Tisch und schaue mir das Foto an. Damals lag sie als Baby schlafend in der Wiege, heute sitzt sie als erfolgreiche Frau gegenüber von mir. Die Zukunft bringt echt viele Überraschungen mit sich.

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