Aus der Heimat. In die Heimat.

Hof übernehmen, weggehen oder herkommen.
Lange gab es im Lesachtal nicht viele Optionen.
Alles hat sich geändert.
Das Tal ist bekannt als eine der offensten Regionen Österreichs und feiert seine Diversität. Vorurteile, überholte Denkmuster und soziale Differenzen haben die Lesachtaler*innen verbannt. Sie schreiben sich ihre eigenen Attribute zu.

Was passiert, wenn man von der veralteten Norm wegdenkt
und was das mit einem Fest zu tun hat:

Im Lesachtal waren immer schon alle willkommen. Gäste, Durchreisende und Besucher*innen wurden seit jeher mit Herzlichkeit empfangen. Susanne, Bianca und Thomas würden genau dasselbe behaupten, wenn auch mit Vorbehalten. Sie sind im Tal aufgewachsen und haben hier den Großteil ihrer Jugend verbracht, dadurch haben sie die Herzlichkeit gegenüber den Gästen mitbekommen. Manche Tourist*innen wurden zu Freund*innen und Susanne, Bianca und Thomas aus dem Lesachtal haben sich mit ihnen über die ganze Welt hinweg ausgetauscht. Diese Weltsicht – die Gäste im Lesachtal sind international – wollten die Drei für sich selber erweitern und haben sich entschlossen, das Tal zu verlassen. Susanne ging für ihr Studium nach Wien, Bianca kaufte sich ein One-Way-Ticket nach New York und Thomas ist bis nach Klagenfurt gekommen.

Sie haben unterschiedliche Wege beschritten, verschiedene Sachen gelernt, andere Menschen kennen und lieben gelernt. Auch wenn ihre Wege noch so unterschiedlich waren, sind sie der Heimat treu geblieben. Sie haben wie viele Lesachtaler*innen eine starke Bindung zu ihrer Heimat im Süden von Österreich. Auch die Gemeinden, die sich seit ein paar Jahren zu einem gemeinsamen Lebensraum zusammengeschlossen haben, bemühen sich in Kontakt mit den Fortgezogenen zu bleiben. Diese Bewohner*innen der Region im Obergailtal heißen nun die Ausheimischen.

Damit fühlen sich alle besser.

Dafür organisieren die Gemeinden jährlich im Sommer ein Willkommensfest, bei dem das Ende des Semesters der Studierenden, das Eintreffen der ersten Sommergäste und selbstverständlich die vielen Leute im Tal, die aus vielen verschiedenen Teilen der Welt ins Lesachtal gezogen sind. Hier treffen sich Susanne, Bianca und Thomas wieder, das erste Mal seit 10 Jahren.


Die drei begrüßen sich herzlich. Sie fallen sich in die Arme. Es muss 10 Jahre her sein, seitdem die drei sich das letzte Mal gesehen haben. Nicht nur sie sehen sich zum ersten Mal seit langem, auch andere Gleichaltrige und die Hierwohnende begrüßen sich.

Susanne erzählt von ihrem Studium in Wien. Kreativ sei sie schon immer gewesen, darum hat sie auch Design studiert. Sie erzählt von der Stadt und den interessanten Orten und Menschen, die sie getroffen hat. Sie zählt zu den wenigen, die aus dem Tal wegezogen ist und sich mit Design beschäftigt. Eine wahre Exotin also.

Bianca ist nach langen Auslandsaufenthalten auch wieder in ihrer alten Heimat, im Lesachtal, angekommen. „So gut und schön wieder hier zu sein“, freut sich die Psychologin und Energetikerin.

Auch Thomas, der zwar nicht so weit weg gezogen ist wie Bianca, aber sich trotzdem in der Stadt vernetzt hat, freut sich wieder hier zu wohnen. Er hat eine Ausbildung in Sozialer Landwirtschaft gemacht und versucht sich hier im Lesachtal ein Standbein aufzubauen.


Alle drei sind sich aber einig. Die Gemeinde und die Region sind sehr engagiert, damit der Kontakt mit den Ausheimischen gehalten wird und setzen auch anderweitig Anreize. „Mir hat die kleine Finanzspritze im Semester wirklich geholfen!“, meint Bianca. Die beiden anderen stimmen ihr zu. Bianca findet auch, dass die kleinen Hilfestellungen von Zuhause und generell das Interesse an der Person, an die Region erinnern.

Auch, wenn man weggezogen ist, hat man so eine Bestätigung, eine Herzenswärme aus der Heimat. Das bindet an diesen Ort.

Schließlich sind alle drei wiedergekommen, weil hier die schöne Natur und die Familie sind, die Motive sind aber ganz unterschiedlich.

Thomas hat mit seinem Mann den Hof der Eltern übernommen, Bianca will eine Praxis eröffnen und sieht wahnsinniges Potential in der Ruhe der Berge und der abgeschiedenen Lage. Susanne arbeitet teilweise in Mailand und lebt den Sommer über in den ruhigeren Bergen.

Alle drei fühlen sich willkommen und vor allem wohl hier. Sie sehen sich hier auf dem Fest aber zum ersten Mal. Nicht weil sie so lange im Studium waren oder einfach noch länger weg. Sie waren skeptisch, fragten sich ob sich ihre Lebenswege im Lesachtal weiterführen lassen. Vor allem Bianca und Thomas, die hier nicht nur leben, sondern auch arbeiten wollen, fragten sich das. Thomas war sich nicht sicher wie seine Landwirtschaft und vor allem seine Partnerschaft mit einem Mann in der Region ankommen würde. Hingegen hatte Bianca wegen ihrer Praxis starke Bedenken. Die beiden fassten sich ein Herz und kamen wieder zurück. Es kam besser, als sie erwartet hätten.


Im Lesachtal ist es jetzt grundlegend anders. Die Bürger*innen sind offener geworden, in den Vereinen gibt es keine Ausgrenzungen mehr. Die verschiedenen neuen Menschen und vor allem die Studierenden und Schüler*innen, die hier regelmäßig auf Bildungsreise sind, bereichern das Tal. Durch den starken Austausch wurde eine neue Atmosphäre der Toleranz geschaffen. Die

Lesachtaler*innen reden lieber miteinander als übereinander.
Die ganze Atmosphäre im Tal hat sich gewandelt.

Die Drei sind ein gutes Beispiel, wie bunt das Lesachtal in den letzten Jahren geworden ist, denn sie sind nicht die Einzigen. Susanne hat gemeinsam mit Bianca die Initiative ergriffen, um großstädtische Ideen im Tal zu verwirklichen. Sie findet, dass die Leute offener gegenüber neuen Ideen sind. „Mir sind vor allem die Frauen in der Region ein Anliegen, sie sollte man noch weiter stärken. Es ist zwar viel passiert, aber teilweise sind die Männer immer noch in der Vorrangstellung.“, sagt die Designerin und wendet sich dabei an Bianca. Alle drei finden, es hätte sich viel getan in den letzten Jahren, sonst wäre der bunte Haufen nicht wieder hierhergekommen. Thomas feiert außerdem die Toleranzseminare in den Volks- und Mittelschulen, die sie früher hatten und es auch heute noch gibt, eine Idee der damaligen Bürgermeisterin Frau Gabriel.

Das ist nicht die einzige Maßnahme, die in den letzten Jahren passiert ist, denn die Lesachtaler*innen freuen sich, dass so viele neue Ideen und vor allem die Menschen wieder zurück ins Tal kommen. Die Gemeinde ist bemüht, dass die Menschen wissen, was im Tal passiert. So gibt es regelmäßigen persönlichen Kontakt der Bürgermeister*innen der Region mit den auswärtig lebenden Lesachtaler*innen.

„Und ich find’s schön, dass es das Fest hier schon seit 10 Jahren gibt!“,

freut sich Thomas und nimmt einen großen Schluck von seinem selbstgebrauten Lesachtaler Roggenbier. Morgen ist dann das Diversitätsfest, darum trinken die meisten heute ein bisschen weniger. „Ihr müsst alle mitkommen!“, schreit Susanne über den halben Tisch, die Musik ist schon lauter. Alle freuen sich, sich selber zu feiern und gleichzeitig das Tal zu bereichern mit neuen Ideen und neuen Lebensweisheiten.

Hier im Lesachtal da kommen Leute zusammen. Nach dem Fest sind die drei, Susanne, Bianca und Thomas, wieder zuhause angekommen. Sie leben nicht nur hier, sondern an mehreren Orten. Heute ist die Heimat nicht ein Wort in der Einzahl. Sie freuen sich ihre Ideen hier durchzusetzen und das Tal bunter und diverser zu machen. Der Lebensraum im oberen Gailtal, nutzt die Lebenserfahrung vieler Wiederkehrer*innen. Hier wird Diversität gefeiert, wie es in der Stadt damals schon üblich war.

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