Alex im Wunderland

Das Zukunftsfest 2019 in Obergail und sein Vermächtnis
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Vor 10 Jahren, an einem verschneiten Novembertag in St. Lorenzen im Lesachtal, hätte der damals 18-jährige Maturant Alex sich nie gedacht, dass ein langweiliger Nachmittag sich als so zukunftsbestimmend herausstellen würde. Er saß im Haus fest, weil in den vorigen Tagen es massig geschneit hatte. Das öffentliche Leben war lahmgelegt und im Haus gab’s wenige Möglichkeiten zum Zeitvertreib.

Naja, eigentlich war es wie immer – es hätte eh keiner bei Alex‘ städtischen und dorffremden Ideen mitgemacht. Obwohl Alex genau wie die anderen war, sein Tal liebte und sich nie vorstellen konnte es zu verlassen, hatte er trotzdem immer einen Drang nach etwas Neuem, was die Leute begeistern würde und dem Lesachtal guttun würde.

Und wie das Schicksal es manchmal will, hatte er auf Facebook eine irrsinnig komische Veranstaltung für Lesachtaler Verhältnisse entdeckt. Ein von Raumplanungsstudent*innen organisiertes Zukunftsfest sollte noch am gleichen Tag in Obergail stattfinden. „Cool“, hatte sich Alex gedacht, „ich such‘ eh noch nach einem Studium. Da kann ich mich gleich über Raumplanung informieren“.


Dort angekommen, stieß er auf eine junge, innovative und aufgeschlossene Gemeinschaft bestehend aus zukunftsneugierigen Gästen aus seinem Tal und vollmotivierten Raumplanungsstudierende aus Wien. Das Hepi-Lodge-Haus wurde zum Veranstaltungsort. Alex fand es schon immer großartig, wofür die Hepi Lodge steht und was die Betreiber*innen dort machen. Jedenfalls wurde er am Eingang vom sogenannten Wohlfühlteam herzlich willkommen geheißen. Es gab Kesselgulasch, was vom Konserventeam gekocht wurde. Die Chefin vom Dienst führte ihn herum und präsentierte ihm kurz die verschiedenen Stationen. Alex ging eine Frage einfach nicht aus dem Kopf: „Wozu das alles? Und was wird hier genau gemacht?

Die Studierenden hatten die Räumlichkeiten nach ihren Bedürfnissen umgestaltet. Herzstück ihrer Arbeit war die Zentrale mit einem Kommandoboard, einem Inspirationslager, einem Postamt und vielen kleinen interaktiven Stationen und Mini-Workshops, alles rund um das Thema Zukunftsland. Alex entdeckte nach einer kurzen Zeit das Kommandoboard und positionierte sich mit forschenden Augen davor. Das Kommandoboard auf einer Wandseite war ein 6 Meter breiter und 2 Meter hoher Wochenkalender mit Tageszeitplänen bestückt mit einer Vielzahl von verschiedenen Terminen, Brain-Storming-Produkten, Mind-Maps, Workshops wie das Open Space und die Schreibwerkstatt, Schlagwörtern, Zitaten und Gefühlsrunden. Alex fiel auch die Arbeitseinteilung im unteren Kalenderviertel auf. Jeden Tag wurden die zu erledigen Aufgaben anderen Studierendenteams zugeteilt. Da verstand Alex auch, was es mit den Namen von vorhin auf sich hatte.

Obwohl Alex sich am Anfang in die Thematik ein bisschen verliebte, hatte ihn das Kommandoboard-Erlebnis und der Arbeitsaufwand ziemlich eingeschüchtert, frustriert und ihm bewusst gemacht, wie wenig er über Raumplanung weiß. Er hatte sich so gefreut etwas zum Thema Zukunftsland beizusteuern, weil er sich als Talbewohner irgendwie besonders verpflichtet fühlt, und da sah er sich gar nicht in der Lage mit jemanden der Studierenden auf Augenhöhe zu reden. Als er sich dann demotiviert dem Ausgang wendete, sprach ihn eine der Studierenden, Katja, an. Katja fragte, ob ihm das Fest gefallen würde und schlug ihm vor, die Station Crash-Kurs in Raumplanung auszuprobieren. Nach einigen Ablehnungen von Alex‘ Seite gab Alex schließlich der Raumplanung eine zweite Chance.

Er setzte sich an einen Schreibtisch, auf dem unterschiedliche Raumplanungsutensilien lagen. Methoden, Reisen, Karten, Pläne, Gespräche, Kontaktlisten, ______, _______, _______, _________, __________, _________, _________, _______, _______, _______, _________, ___________, _________, ______, _______, ______, _____, ________, ________, _______, _______ sowie eine Todo-Liste. Katja assistierte ihn.

Alex griff zu den verschiedenen Instrumenten und Methoden und fing ganz intuitiv an, die Zukunft des Lesachtals zu planen. Er begab sich auf Analysereise, versuchte ein kleines Konzept zu schreiben, kritzelte ein paar Planungsideen und arbeitete schon erste wage Lösungsansätze aus.

Die Studentin Katja erzählte Alex auch noch, dass man in der Raumplanung meist in Teams arbeitet und dann auch selten allein ist, wenn schwierig wird. Deswegen gab es ja die verschiedenen Teams zur Aufgabenerfüllung. Alex war wieder begeistert und suchte dann doch Gespräche mit den Raumplaner*innen. Diese waren sehr offen mit ihm und erzählten ihm vom Studium, von den Grundlagen, von den Herausforderungen, aber vor allem auch über die innovativen Methoden, die sie für das Verfassen der Zukunftsgeschichten und die Planung des „Zukunftsfestes“ angewendet haben. Alex entschied sich noch an diesem Abend, Raumplanung zu studieren. Und so sollte es kommen. Nach der Matura zog er nach Wien und studierte an der TU Wien, an der Fakultät für Architektur und Raumplanung, am Institut für Raumplanung.


Heute ist Alex Raumplaner und dazu noch ein sehr innovativer. Er ist auch mit Freund*innen und Kolleg*innen dem Verein Über Morgen Lesachtal – Verein zur Förderung einer gemeinsamen Auseinandersetzung mit der Zukunft des Lesachtals beigetreten und seit zwei Jahren der Obmann. Er setzt sich stark mittels Öffentlichkeitsarbeit ein, der breiten Gesellschaft ein Gefühl zu vermitteln, was Raumplanung ist und ihnen Raumplanungsbegriffe mit auf den Weg zu geben. Begleitende Projekte sollen Menschen dort abholen, wo sie stehen und in interaktiven Workshops dazu animieren, ihre Zukunft gemeinsam zu gestalten.

Alex fühlt sich durch die Vereinstätigkeit sehr erfüllt und ist froh, dass er dem Lesachtal und seinen Bewohner*innen etwas zurückgeben kann.


Rückblickend ist Alex den Raumplaner*innen, die das Zukunftsfest 2019 in Obergail auf die Beine gestellt haben, sehr dankbar und möchte ihre und seine Visionen Wirklichkeit werden lassen.

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